Ich bin ziemlich sicher, dass Eintakt-Einsteiger die 300B vorziehen, Kenner jedoch dem anspruchsvolleren, etwas erwachsener wirkenden Klang der F2a letztlich den Vorzug einräumen würden. Anspruchsvoller nicht zuletzt deshalb, weil die mit der Poströhre bestückte Endstufe ein wenig mehr Drama, mehr Biss, vielleicht sogar einen Tick mehr Neutralität zu bieten vermag. Wo die 300B bisweilen - noch überzeugende - Milde walten lässt, beispielsweise bei Blechbläsern, wirkt die F2a authentischer, sie ist der anstrengendere Verstärker, der vom Zuhörer schlicht mehr Engagement fordert, dies aber stets reich belohnt. Was die Unterscheidung zwischen Laut und Leise betrifft, so vermag niemand - wenn es um Grobdynamik geht - einer guten 300B etwas vorzumachen, nicht einmal die Siemens-Röhre. Deren Stärke liegt vielmehr in der schlichten Menge dynamischer Substanz, sie differenziert unglaublich tief ins Geschehen hinein, reproduziert kristallklar feinste Pegelnuancen, die ansonsten gerne im Geschehen untergehen, verdeckt werden. Obwohl es, wie Kollege Egger sich zu Recht ausdrücken würde, völliger Bullshit ist, die Hardware an der Art der Musik zu messen, muss ich schon gestehen, die F2a-Cortese ein wenig als meinen "großorchestralen" Verstärker benutzt zu haben - sie umschifft meisterlich die Klippen alter RCAs und Deccas, bohrt sich förmlich ins Getümmel, schaufelt wie durch die Lupe betrachtet Feinheiten ans Ohr und destilliert auf unnachahmliche Art und Weise das Wesentliche heraus. Vieles, was mich vorher kaum zu überzeugen vermochte, liegt jetzt öfters auf dem Plattenteller, respektive im Player... Was nicht heißen soll, dass die ehrwürdige 300B dies ode jenes nicht könnte, sich gar tumb durchs Geschehen mogelt. Auch sie ist in der Cortese erwachsener geworden, spielt differenzierter und vor allem im Bass präziser. Im Vergleich zu früheren Shindos, wohl bemerkt - es gab, um den Versuch einer technischen Analyse zu wagen, damals keine Anodenspannungs-Regelung der Eingangsstufen, keinen Regel-Transistor im Netzteil und offenkundig andere Ausgangsübertrager. Den Vorwurf, der Altmeister sei angepasster, schlicht technischer geworden, muss ich freilich mit Pauken und Trompeten zurücknehmen; die neuen Verstärker, zu denen auch schon die in Heft 1/2000 besprochene Concertino zählt, sind respekteinflößende Beispiele für Eintakter, denen ohne böse Kehrseite ein paar Schwachpunkte ausgetrieben wurden. Unter anderem gerät die Leistungsentfaltung - ich benutze dieses Wort bewusst trotz der Gefahr, dass sich ein paar Unbelehrbare mit 80-Dezibel-Stromvernichtern und 300-Watt-Endstufen kaputtlachen -, deutlich stabiler, was im Klartext einfach nur bedeutet, dass die Röhren viel später "zumachen", sich angestrengt oder gar überlastet zeigen. Mit dem Wirkungsgrad der Rondo sind sauber reproduzierte Pegel drin, die nur mehr für Einfamilienhäuser taugen, zudem wird ein dicht gemaltes musikalisches Bild besser aufgelöst. Auch schon oberflächlich betrachtet also ein schlichter Benefit, falls unter den Lesern jemand ist, der Nadelstreifen-Jargon verstehen will. Okay - was tun, wenn beide Amps vorbehaltlos bleibenden Eindruck hinterlassen, beide, um es mal pathetisch auszudrücken, den Verfasser bis ins Altersheim begleiten dürften? (Apropos Lebensdauer: Eine als Weitverkehrsröhre spezifizierte Siemens-F2a wird wahrscheinlich kaum weniger Stunden Emission bieten als die WE-300B). Ein kurzer Schwenk zur Rondo, zu einem, wie sich herausgestellt hat, immer noch brandheißen Diskussionsthema: Sie geht mit der F2a eine Synergie-Ehe ein, profitiert von deren Subtilität, spektraler Vielfalt und Glattheit. Vom zarten Raureif der Triode, dem 300B-typischen Ungestüm, dem nicht fröhlichen, bewahre, sondern fast unbemerkt bleibenden Ausbügeln vieler Software-Klippen wird dagegen manch anderer "lauter" Schallwandler gerne zehren, es käme lediglich darauf an, raffiniert zu kombinieren. |
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